Vortrag „Gandhi heute“

Welche Anregungen kann uns der halbnackte Fakir geben?

Referent: Christoph Weber
Eine Gesellschaft hat mindestens zwei Möglichkeiten, um einen Querdenker und Außenseiter, der revolutionäre Ansichten vertritt, zum Schweigen zu bringen: entweder erschießen oder zum Heiligen Mann erklären. Gandhi widerfuhr dies in seinem Heimatland Indien auf beide Arten: er wurde erschossen und als Mahatma, also „Große Seele“, verehrt. Zudem wurde alles daran gesetzt, seine Lebensleistung vor allem auf den gewaltfreien Kampf für die indische Unabhängigkeit zu reduzieren. Sollte dieses Bild stimmen, dann muss er am Tag der indischen Unabhängigkeit einer der glücklichsten Menschen gewesen sein, was er jedoch nach eigener Aussage nicht war. Bei näherer Betrachtung wird schnell deutlich, dass die indische Ablösung von England nicht sein oberstes Ziel war: er verstand unter Befreiung weit mehr, nämlich eine umfassende, sowohl gesellschaftliche als auch individuelle Autonomie. Die Schaffung eines Umfeldes, das von einer weitgehenden, alle Lebensbereiche umfassenden Unabhängigkeit geprägt ist, war für ihn die Grundvoraussetzung, um sich dem eigentlichen Ziel des Menschen annähern zu können: der individuellen Selbstverwirklichung.
Bei einer Untersuchung, welche Bedeutung Mohandas Karamchand Gandhi in der heutigen Zeit hat, geht es also nicht darum, die Essgewohnheiten oder die Spinnradtätigkeit des „halbnackten Fakir“ (Winston Churchill) zu übernehmen. In anderen Zeiten mit anderen Problemen und Herausforderungen ist es notwendig, ihn zu interpretieren und den seinen Äußerungen zugrundeliegenden Geist herauszuarbeiten. Denn dann ergeben sich sofort vielfältige und interessante, auf die heutige Zeit übertragbare Interpretationsmöglichkeiten. So würde Gandhi jedeR sofort die Hand reichen, die auf der persönlichen Ebene eine Einschränkung des Konsums versucht und gleichzeitig auf der gesellschaftspolitischen Ebene eine ökonomische Mitbestimmung in Form von dezentralen Energiegenossenschaften aufbaut.
Dieser Abend dient dazu, einige seiner Statements, aber auch Anekdoten und Begebenheiten direkt auf die heutige Zeit zu übertragen, um Anregungen für das eigene Verhalten und für die gesellschaftspolitische Arbeit zu erhalten.

19. März 2013
19 Uhr
Ort: Haus Felsenkeller, Heimstraße 4, 57610 Altenkirchen
Eintritt: 5 €

Anmeldung im Haus Felsenkeller:
kursanmeldung@haus-felsenkeller.de
Anmeldetelefon: 02681 / 80 35 98

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